Voll abgehoben – Am Zeppelinpark

Es lässt sich kaum erahnen, bis auf die Straßennamen „Am Zeppelinpark“ und „Am alten Gaswerk“, dass im heutigen Gewerbegebiet „Am Zeppelinpark“, das am Rand von Staaken an der Grenze zu Brandenburg liegt, einst Zeppeline und Riesenflugzeuge gefertigt wurden und auch gestartet sind.

Heute sind hier knapp 40 Gewerbebetriebe ansässig, zum Beispiel hat eine bekannte Manufaktur ihre Produktionsstätte am Zeppelinpark, nämlich „Florida Eis“. Das Unternehmen produziert seit 1927 Speiseeis.

Die Zeppelinwerke wurden 1915 von der Luftschiffbau Zeppelin GmbH erbaut und besaßen zwei Luftschiff-Fertigungshallen mit jeweils einer Länge von 252 Metern, einer Breite von 35 Metern und eine Höhe von 40 Metern.

Die Luftschiff-Fertigungshallen waren mit Schiebetoren an beiden Enden versehen und es gab eine Nord- und Südhalle. Zwischen den Hallen befanden sich die Werkstatt und Verwaltungsbäude.

Am 9. November 1916 verließ das erste für die Marine gebaute Militär-Luftschiff, das LZ 75, die Nordhalle. Es hatte ein Gasvolumen von 55.200 Kubikmetern. Insgesamt wurden in Staaken zwölf Luftschiffe gebaut. Als letztes startete LZ 109 am 11. März 1918 zu seiner Jungfernfahrt.

1922 wurden die südliche Luftschiffsfertigungshalle auf Anordnung der Alliierten abgerissen. Die Nordhalle und andere Luftschiffhafengebäude wurden an Filmgesellschaften vermietet. Damals entstand rund ein Drittel der deutschen Filmproduktionen in Staaken.

Für das Werk wurde eigens die „Zeppelin-WasserstoffSauerstoff-Gesellschaft“ (Zewas) gegründet, deren Ruinen man in der Straße „Am alten Gaswerk“ anschauen kann. Das ehemalige Gaswerk der Zewas ist heute ein Gesamtdenkmal. Das Werk produzierte als Wasserstoffgasanstalt das Treibgas für die Luftschiffe.

Auf dem Gelände wurde ein Leuchtfeuer installiert, um den Staakener Zeppelinhafen mit seiner Landefläche von 3 Quadratkilometern auch nachts ansteuerbar zu machen. Jedoch endete 1927 der Betrieb, da das Werk neben der gesamten Zeppelinproduktion geschlossen wurde.

Ab 1915, während des Ersten Weltkriegs, wurde im Zeppelin-Werk in Staaken auch das Riesenflugzeug vom Typ Zeppelin (Staaken) R.VI gebaut, das als strategischer Bomber insbesondere für Angriffe auf London eingesetzt wurde.

Am 13. Dezember 1917 war die Deutsche Luft-Reederei (DLR) gegründet worden und erhielt am 8. Januar 1919 die Zulassungs-Bescheinigung zum Luftverkehr Nr. 1. Am 5. Februar 1919 nahm die DLR als erste Fluggesellschaft Europas den Liniendienst auf und
verlegte 1920 ihre Aktivitäten nach Staaken. Viele Linienflüge der DLR und der Aero Lloyd AG hatten ihre Ausgangs- und Endpunkte in Staaken.

Mit dem Ausbau Tempelhofs ging die Bedeutung Staakens als Verkehrsflugplatz zurück. Dafür waren die Anlagen als Trainings- und Wartungsbasis umso gefragter, darunter die Deutsche Verkehrsfliegerschule und die Flugsportschule.

Ende 1925 wurde der Zusammenschluss der Aero Lloyd AG und der Junkers Luftverkehr AG wegen ihrer schlechten Finanzlage zur Deutschen Luft Hansa Aktiengesellschaft (Luft Hansa) erzwungen. Es entstand eines der modernsten Wartungszentren der jungen Luftfahrt.

Ab 1927 fing die Lufthansa an, ihren Standort in Staaken zu modernisieren. So wurde beispielsweise das Staakener Ausbildungszentrum für Piloten von der Lufthansa ausgebaut.

Der Flugplatz Staaken am Brunsbütteler Damm entwickelte sich von einem Werftplatz der Zeppelinwerke hin zu einem der ersten Verkehrsflughäfen in Deutschland in den 1920er Jahren.

Weil in Staaken ab Mitte der 1930er Jahre nur noch Werks- und Überführungsflüge stattfanden und der Passagierverkehr der Lufthansa in Berlin ausschließlich auf dem Zentralflughafen Tempelhof erfolgte, geriet der Flugplatz Staaken nach der Zeppelin-Ära in den 1920er Jahren und nach seiner Schließung Ende 1953 nahezu in Vergessenheit.

Bis 1945 diente die Hauptwerft der Lufthansa in Staaken der Luftwaffe der Wehrmacht als Reparatur- und Forschungsbetrieb.

Von 1958 bis 1997 wurden Teile des Flugplatzes als Außenstelle der Nauener Kreisklinik genutzt. Der 1925 fertiggestellte „Zeppelin Tower“ wird seit 2015 als privater Firmensitz ausgebaut und renoviert. 2011 entstand auf der Landebahn und dem umgebenden Gebiet des Dallgower Teiles des Flugfeldes ein Solarpark.

Quelle: Wikipedia

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